Grossbrand in Pfalzgrafenweiler
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                                      Auszug aus der Predigt nach dem

                 in Pfalzgrafenweiler am 24. April 1798 entstandenen Brand

            am Sonntag Jubilate [Deo omnis terra - 3. Sonntag nach Ostern]

                            gehaltenen von M. Ludwig Puechner, Pfarrer

Es war der 24ste April, welchen der hiesige Lammwirth Klaiss zu seiner Trau-
ung mit des Schultheissen Tochter von Thumlingen bestimmt hatte. Die Feier-
lichkeit des Tages ward schon vor Aufgang der Sonne durch die gewoehnliche 
heillose Ergoetzlichkeit leichtsinnig munterer Juenglinge durch Schiessen an-
gekuendigt; und schon da ahndete der stille Buerger nichts gutes. Die Braut 
wurde von einer Gesellschaft etlich und zwanzig berittener junger Maenner ab-
geholt, und unter unzaehligen Salven des kleinen Gewehrs in den kuenftigen 
Wohnort eingefuehrt. Das Schiessen dauerte fort, bis man in die Kirche gieng. 
Alles war da bereits ganz ruhig zu Ende gebracht, und ich ging waehrend des 
Schlussgesangs, unter welchem das Opfer eingelegt wurde, nach Haus. Auf 
dem Weg sprang mir mein 6jaehriges Soehnlein zu, mit dem jammernden Ge-
schrei: Feuer! Papa, Feuer! Wo? fragte ich. Im Lamm, war seine Antwort. Zu 
gleicher Zeit kam der Laermen in die Kirche; man sprang dem Haus zu, fand 
aber die obere Haelfte desselben, welche die Scheuer bedekte, schon voellig 
in Flammen. Bis man sich mit Gefaessen zum Wassertragen versahe, und die 
Feuerspritze und Werkzeuge zum Niederreissen hergebracht wurden, hatte 
das Feuer das ganze Haus so heftig ergriffen, dass man vor Rauch und Hize 
und den herabstuerzenden Ziegeln unmoeglich mehr beikommen konte. Der 
Wind blies von Suedost und trieb das Feuer so heftig, dass in einem Augen-
blik 3 bis 4 benachbarte Haueser in Flammen stunden. Jeder sahe die Gefahr 
seiner Wohnung und des ganzen Dorfes: alles lief, um die Habseligkeiten zu 
retten, die in den Haeusern waren. Wer mitten im Dorf oder am anderen Ende 
desselben wohnte, eilte, weil er fuer das Seinige keine, wenigstens keine so 
nahe Gefahr besorgte, denen zur Huelfe, die dem Verderben naeher waren. 
Unter dem Austragen und Fluechten war hier einem, dort einem zugerufen: 
gehe, dein Haus brennt schon. Und siehe, in einem Zeitraum von einer halben 
Stunde stund das ganze Dorf in hellen Flammen. Wo ein Haufe von Menschen 
war, da musste er bleiben; man konnte weder rechts noch links, von dem obe-
ren Theil des Dorf nicht in den unteren, von dem unteren nicht in den oberen 
kommen. Um 11 Uhr war das Feuer ausgebrochen, und 1 Viertel nach 12 Uhr l
ag schon des Baerenwirths Haus, das von dem Lamm wenigstens 500 Schritte 
entfernt ist, in der Asche; denn das Feuer ergrif oft das 5te, 6te Haus voraus. Im 
-Anfang lief das Feuer mit ganzer Macht dem Pfarrhaus zu, dass auch aus die-
sem alles in groesster Eile ausgetragen werden musste; und haette die erste 
Richtung des Windes angehalten, so waere es, die Kirche und das Schulhaus, 
und sofort alles und alles ohne Rettung ein Raub der Flammen geworden.

Das naechste am Pfarrhaus gelegene Haus war auch wirklich schon angezuen-
det; mit thaetiger Beihuelfe des Herrn Oberamtmann Pfizers in Altenstaig aber 
brachte ich es dahin, dass eine Reihe gegenwaertiger Mannschaft in weite Ferne 
zu einem Bronnen, der noch etwas Wasser hatte, gestellt und eine Spritze in 
Stand gesetzt wurde, zu arbeiten, und der Gefahr vorzustehen.

In etwa drei Stunden lagen 93 Wohnhaeuser - mehrere Bier: und Harzhuetten 
ungerechnet, in der Asche - waren 135 Familien von ihren Huetten vertrieben; 
und jammerndes Geschrei zagender Menschen, wildes Gebruell verscheutchten 
Viehes erfuellte die Luft.

Aus dem Brand wurde im Ganzen wenigstens gerettet, ausser Betten und Klei-
der, deren aber auch manche nicht mehr habhaft wurden. Dennen wohlhabend-
ensten Familien, besonders Wirthen, die noch einen ziemlichen Vorrath von 
Fruechten angeschuettethatten, sind diese alle zur Asche geworden; Futter zur 
Ernaehrung des Viehes, ist alles ganz dahin, und mehrere Stueke Rindvieh, die
sich nicht von der Stelle treiben liessen, oder mit denen man sich um wichtigerer 
Angelegenheiten willen nicht lange aufhalten konnte, kommen im Feuer um.

Nun sind die verungluekte Inwohner zum Theil in die noch uebriggebliebene 23 
Wohnungen - die Kirche ist mitgerechnet - zusammengedraengt, zum Theil in vile 
benachbarte Ortschaften zerstreut, und muessen sich, da viele ihr Vieh anderwo-
hin verstellen mussten, oder, wenn sie es auch bei sich haben, des noethigen 
Futters mangeln, kuemmerlich behelfen, dass ich sie dem thaetigen Mitleiden 
anderer aufs dringendste empfehlen muss.

[Quelle: Bestand 01 der Universitaetsbibilothek Tuebingen, Sigel 21, Signatur 
L XIII 35]

 
      Last update:           Samstag, 01. Mai 2004 12:12:09                       

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